TikTok-Trends für Marken: Smartphone auf Stativ beim Videodreh im Pro & Me Büro
22. Oktober 2026

TikTok-Trends für Marken: Wann mitmachen, wann lieber nicht

Inhaltsverzeichnis

Stand: 22. Oktober 2026 · Von Lukas Heining, Co-Founder und CEO von Pro & Me

Kurz gesagt: Unternehmen sollten bei einem TikTok-Trend nur mitmachen, wenn er zur Marke und zum Ziel passt, rechtzeitig durch die Freigabe kommt und rechtlich sauber ist, vor allem bei der Musik. Am besten übersetzt ihr einen Trend in ein eigenes Format, statt ihn zu kopieren, denn Trends ersetzen keine Formate, sie ergänzen sie höchstens.

„Da müssen wir auch was machen.“ Vielleicht kennst du den Satz, sobald ein Trend durch den Feed läuft. Manchmal stimmt er. Oft endet er in einem schnell gedrehten Video, das nicht zur Marke passt, mit einem Sound, den die Marke gar nicht nutzen darf, und das in der Freigabe hängen bleibt, bis der Moment vorbei ist.

Unser Grundsatz bei Pro & Me heißt Substanz statt Stunts: sichtbar werden, ohne die Marke zu verbiegen. Trends sind dafür ein Werkzeug, kein Ziel.

Trends sind kein Format

Ein Format ist eine wiederholbare Mechanik mit Wiedererkennung: gleicher Aufbau, gleiches Setting oder gleiche Gesichter, wechselnder Inhalt. Ein Trend gehört dagegen allen gleichzeitig, und er ist irgendwann vorbei. Deshalb gilt bei uns: Trends sind kein Format, sie ergänzen höchstens.

Ein Kanal, der vor allem Trends nachspielt, zeigt einen Befund, den wir in Kanal-Audits regelmäßig sehen: einen bunten Trend-Mix ohne wiederkehrende Formate. Das Ergebnis ist wenig Wiedererkennung und kein Grund zu folgen.

Egal sind Trends trotzdem nicht. In jeder Strategie beantworten wir die Frage, was gerade in der Kategorie und auf der Plattform passiert. Unsere Creatives besprechen jede Woche in einem festen Termin Trends und Cases und brainstormen gemeinsam. Trendwissen fließt in die Formate ein. Es ersetzt sie nur nicht.

Die Checkliste: 5 Fragen vor jedem Trend

# Frage Mitmachen, wenn … Lieber nicht, wenn …
1 Passt der Trend zur Marke? die Marke darin eine glaubwürdige Rolle hat die Marke sich verbiegen oder bemüht jung wirken müsste
2 Zahlt er auf euer Ziel ein? er die Leute erreicht, um die es euch geht er nur Views bringt, aber keine passenden Leute
3 Kommt er rechtzeitig durch die Freigabe? er über den schnellen Weg laufen kann er neue oder heikle Aussagen braucht
4 Sind Musik und Rechte sauber? ihr Musik aus der Commercial Music Library nutzt er an einem Trendsound oder an fremden Marken hängt
5 Lässt er sich in ein eigenes Format übersetzen? ihr die Mechanik mit eigenem Inhalt füllen könnt ihr ihn nur nachspielen würdet

1. Passt der Trend zur Marke?

Frag dich, welche Rolle die Marke in diesem Trend glaubwürdig einnehmen kann. Eine Marke muss nicht tanzen, um auf TikTok zu funktionieren. Memes ohne Bezug zur Zielgruppe haben bei unseren Kunden nicht funktioniert, und bemüht jugendlich zu klingen wirkt schnell gezwungen.

Hilfreich ist eine kurze Liste, die ihr einmal vorab festlegt: Was macht unsere Marke nicht? Dann ist die Entscheidung bei jedem neuen Trend schnell getroffen. Bei politischen, religiösen oder kontroversen Themen äußert sich die Marke nur mit ausdrücklicher Freigabe.

2. Zahlt er auf euer Ziel ein?

Erst das Ziel, dann der Inhalt. Ein Trend bringt im besten Fall Reichweite. Reichweite außerhalb der Zielgruppe bringt aber Follower, die nie kaufen oder sich bewerben. Prüft deshalb, ob der Trend die Leute erreicht, um die es euch geht. Bei einem Recruiting-Ziel zählen Bewerbungen, nicht Views.

3. Kommt er rechtzeitig durch die Freigabe?

In größeren Unternehmen liegt das Problem oft nicht im Content, sondern im Freigabeprozess. Bei Trends wird das sofort sichtbar. Wie ihr das löst, steht im nächsten Abschnitt.

4. Sind Musik und Rechte sauber?

Hängt ein Trend an einem Sound, ist das für Markenkanäle der heikelste Punkt. In unserer Arbeitspraxis gilt:

  • Auf Markenkanälen, in Creator-Kooperationen und in Ads nutzen wir nur Musik aus der kommerziellen Musikbibliothek der Plattform, bei TikTok die Commercial Music Library. Das gilt auch, wenn ein Post nicht beworben wird.
  • Trendsounds aus dem normalen Sound-Katalog sind für Markenkanäle tabu. Zu Trendsounds gab es schon Abmahnungen.
  • GIFs, Memes und Meme-Sounds sind eine Grauzone. Die Entscheidung liegt bei der Marke. Bei regulierten Unternehmen und in Ads lasst ihr sie im Zweifel weg.
  • Fremde Logos, Games und Sportevents nur mit Rechten. Wer nicht Sponsor ist, darf sich nicht an ein großes Event anhängen.
  • Machen Creators für euch bei einem Trend mit, gehört die Kennzeichnung dazu: „Werbung“ oder „Anzeige“ am Anfang und im Video selbst sichtbar.

Das ist unsere Arbeitspraxis, keine Rechtsberatung. Im Zweifel entscheidet eure Rechtsabteilung.

5. Lässt er sich in ein eigenes Format übersetzen?

Die stärkste Frage zum Schluss. Wenn ihr die Mechanik eines Trends mit eurem Thema, euren Leuten und eurer Tonalität füllen könnt, entsteht etwas, das länger trägt als der Trend. Wie das geht, steht weiter unten.

Trend-Tempo braucht Freigabe-Tempo

Ein Trend wartet nicht auf eure Freigabe. Hängt ein Skript tagelang in einer Mail-Kette, ist der Moment vorbei. Die Lösung sind zwei Wege, wie wir sie in unserem Leitfaden zum Freigabeprozess für Social Media beschreiben:

Schneller Weg Volle Prüfung
Was Standard-Content im abgestimmten Aussagenkorridor, auch Trend-Videos ohne neue Aussagen Heikles, zum Beispiel neue Produktaussagen
Wer prüft eine benannte Person mit finaler Entscheidung zusätzlich Recht oder Compliance
Für Trends passt meist zu langsam

Damit ein Trend-Video den schnellen Weg nehmen kann, klärt ihr drei Dinge vorab:

  1. Ein Aussagenkorridor, den Recht einmal prüft und der danach für alle Formate gilt. Bleibt ein Trend-Video darin, fängt niemand bei null an.
  2. Eine benannte Person pro Kanal, die final entscheidet. Kein Gremium.
  3. Feste Fristen, schriftlich vereinbart. Eine Regel, die gut funktioniert: Keine Rückmeldung in 48 Stunden heißt Freigabe.

Wiederkehrende Elemente wie Thumbnails oder Layouts lasst ihr einmal als Muster abnehmen. Danach brauchen sie keine Einzelfreigabe mehr.

Kann ein Trend nur über die volle Prüfung laufen, ist die ehrliche Antwort meist: auslassen. Ein verspätetes Trend-Video bringt wenig, und das Risiko bleibt.

Drei Arten, bei einem Trend mitzumachen

Mitmachen heißt nicht immer, ein eigenes Video zu drehen.

  1. Kommentieren: Mit dem Markenprofil unter Videos kommentieren, die gerade anlaufen, also wenige Views, aber schon viele Kommentare haben. Auf den Inhalt eingehen, den Humor der Top-Kommentare aufgreifen, kein Produkt bewerben. Unter Videos polarisierender Creator ist die Marke nicht präsent. Das machen wir nur, wenn es mit dem Kunden vereinbart ist.
  2. Reagieren: Markiert jemand die Marke in einem Video, das Mehrwert hat oder viral geht, kann ein Duett oder Stitch die passende Antwort sein.
  3. Übersetzen: Ihr überführt die Mechanik des Trends in ein eigenes Format. Das braucht mehr Arbeit und nützt dem Kanal am längsten.

Trends übersetzen statt kopieren

Kopieren heißt: gleiche Idee, gleiches Setting, nur mit Logo. Übersetzen heißt: Ihr nehmt die Mechanik und füllt sie mit eurem Thema. So gehen wir vor:

  1. Die Mechanik benennen. Was trägt den Trend: eine wiedererkennbare Situation, eine Frage, ein Spiel, die Anlehnung an etwas Bekanntes?
  2. Mit dem eigenen Thema füllen. Eine POV-Situation wird zur Szene aus eurem Arbeitsalltag. Eine Frage an Passanten wird zur Straßenumfrage zu eurem Thema. Ein Spielprinzip wird zur Gameshow mit Markenbezug.
  3. Erst Mensch, dann Marke. Logos und viel CI in den ersten Sekunden schrecken ab. Das Branding kommt später.
  4. Prüfen, ob daraus eine Serie wird. Trägt die Mechanik auch mit neuem Inhalt? Dann habt ihr aus einem Trend ein Format gemacht, das bleibt, wenn der Trend vorbei ist.

Dasselbe Prinzip nutzen wir bei Kampagnen im Großen: Wir leihen uns die Mechanik eines Formats, das die Zielgruppe schon liebt, etwa einer Survival-Show oder einer Klassenfahrt, und erzählen darin ein ernstes Thema. Die Anlehnung senkt die Einstiegshürde, weil man sofort weiß, worum es geht.

Auch bei Anlässen lohnt sich dieser Blick. Denkt aktuelle Anlässe groß, statt Aktionstage aus dem Kalender abzuarbeiten. Aktionstage liefen bei unseren Kunden schwach. Zeitgebundene Themen bekommen im Redaktionsplan eine feste Deadline.

Wie aus solchen Mechaniken feste Serien werden, zeigen wir in Shortform Vertical Video: Was es ist und wie Unternehmen es planen. Für erklärungsbedürftige Produkte lohnt sich der Blick in Unser Produkt ist zu langweilig für TikTok?

Typische Fehler

  • Den Kanal mit Trends füllen statt mit Formaten: wenig Wiedererkennung, kein Grund zu folgen.
  • Ein Trendsound aus dem normalen Katalog auf dem Markenkanal.
  • Das Trend-Video läuft durch dieselbe Freigabeschleife wie eine Produktkampagne.
  • Memes ohne Bezug zur Zielgruppe.
  • Logo und Marke in den ersten Sekunden statt am Ende.

Häufige Fragen

Sollten Unternehmen bei TikTok-Trends mitmachen?

Ja, aber nur ausgewählt. Mitmachen lohnt sich, wenn der Trend zur Marke und zum Ziel passt, über den schnellen Freigabeweg laufen kann und rechtlich sauber ist. Am meisten bringt ein Trend, wenn ihr seine Mechanik in ein eigenes Format übersetzt.

Dürfen Marken Trendsounds auf TikTok nutzen?

In unserer Arbeitspraxis nicht. Auf Markenkanälen, in Creator-Kooperationen und in Ads nutzen wir nur Musik aus der Commercial Music Library, auch wenn ein Post nicht beworben wird. Zu Trendsounds aus dem normalen Katalog gab es schon Abmahnungen. Das ist keine Rechtsberatung, im Zweifel entscheidet eure Rechtsabteilung.

Wie schnell muss eine Marke bei einem Trend sein?

So schnell, wie euer Freigabeweg es erlaubt. Mit einem geprüften Aussagenkorridor, einer Person mit finaler Entscheidung und festen Fristen laufen Trend-Videos über den schnellen Weg. Braucht ein Trend die volle Prüfung durch Recht oder Compliance, lasst ihn meist liegen.

Ersetzen Trends eigene Formate?

Nein. Trends sind kein Format, sie ergänzen höchstens. Ein Kanal braucht wiederkehrende Formate, damit Leute einen Grund haben zu folgen. Zum Start empfehlen wir zwei bis vier Formate.

Dürfen Marken Memes und GIFs verwenden?

Das ist eine Grauzone, eine ausdrückliche Erlaubnis gibt es meistens nicht. Wir weisen darauf hin, die Entscheidung liegt bei der Marke. Bei regulierten Unternehmen und in Ads lasst ihr Memes und GIFs im Zweifel weg.

Über Pro & Me

Pro & Me ist eine Social-Media-Agentur aus Berlin und TikTok Premium Partner. Seit 2019 entwickeln wir Strategie und produzieren Shortform Vertical Video für TikTok, Instagram, YouTube und LinkedIn. Unser Schwerpunkt sind erklärungsbedürftige Marken mit echten Freigabeprozessen. Mit uns arbeiten unter anderem EDEKA Südwest, freenet, DATEV, DEMECAN und Doppelherz.

Mehr dazu:

Nächster Schritt: Frag ein 30-Minuten-Erstgespräch an und bring den nächsten Trend mit, bei dem ihr unsicher seid. Wir gehen die Checkliste gemeinsam mit dir durch.

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