18. Oktober 2026

Unser Produkt ist zu langweilig für TikTok? So erzählst du ein sperriges Thema in Vertical Video

Inhaltsverzeichnis

Stand: 18. Oktober 2026 · Von Lukas Heining, Co-Founder und CEO von Pro & Me

Kurz gesagt: Kein Produkt ist zu langweilig für TikTok, aber viele Marken erzählen ihr Produkt langweilig. Sperrige Themen funktionieren in Vertical Video, wenn du nicht das Produkt erklärst, sondern bei einem Problem, einer Person oder einer Frage deiner Zielgruppe anfängst, und daraus feste Formate statt Einzelvideos baust.

Steuersoftware, Versicherungen, Telko, Energie, Gesundheit: Wer solche Produkte vermarktet, hört oft denselben Satz. „Das schaut sich auf TikTok doch keiner an.“ Wir hören ihn auch, meist im ersten Gespräch. Unsere Antwort: Genau das ist unser Kerngeschäft. Sperrige Themen so übersetzen, dass Leute sie freiwillig schauen, und zwar so, dass der Freigabeprozess sie mitträgt.

Warum sperrige Produkte auf TikTok eine Chance haben

TikTok verteilt nach Interesse, nicht nach Followern. Ein neuer Kanal kann vom ersten Video an Leute erreichen, die deine Marke nicht kennen. Voraussetzung: Er nimmt die Erzählweise der Plattform an.

Erklärungsbedürftig heißt auch: Es gibt viel zu erklären. Wer eine Frage hat, sucht eine Antwort. Ein Produkt, über das Leute Fragen haben, liefert dir die Themen gleich mit.

Wer früh feste Formate hat, prägt die Kategorie. Wenn deine Branche auf TikTok noch wenig stattfindet, bestimmen bisher andere, wie sie dort wirkt. Mit eigenen Formaten erzählst du die Geschichte selbst.

Das Problem liegt also selten im Produkt. Es liegt in der Erzählweise.

Die 5 Erzählwege

Diese fünf Wege nutzen wir, wenn ein Thema auf den ersten Blick nicht nach Social Media aussieht. Meist kombinieren wir zwei davon zu festen Formaten.

# Erzählweg Einstieg Passt besonders für
1 Problem zuerst Ein Alltagsproblem der Zielgruppe Software, Versicherung, Finanzen
2 Menschen statt Produkt Eine Person aus dem Unternehmen Technik, Industrie, Gesundheit
3 Fragen aus der Community Eine echte Frage aus den Kommentaren Alles mit Beratungsbedarf
4 Mythen auflösen Ein verbreiteter Irrtum Kategorien mit schlechtem Image
5 Prozess sichtbar machen Wie etwas entsteht oder funktioniert Produktion, Handel, Logistik

1. Problem zuerst, Produkt später

Niemand interessiert sich für eine Steuersoftware. Aber viele interessieren sich dafür, wie sie bei der Steuererklärung Zeit sparen. Fang mit dem Problem an, das deine Zielgruppe wirklich hat. Das Produkt taucht erst auf, wenn es Teil der Lösung ist, oder gar nicht.

Test für dein Skript: Würde jemand das Video auch schauen, wenn dein Logo fehlt?

2. Menschen statt Produkt

Ein Produkt hat kein Gesicht, die Leute dahinter schon. Die Entwicklerin, der Servicemitarbeiter, die Auszubildende: Menschen aus dem Unternehmen machen ein abstraktes Thema greifbar. Das wirkt glaubwürdiger als jeder Sprecher aus dem Off.

Plane dafür realistisch. Wenn Mitarbeitende vor der Kamera stehen, richtet sich die Menge nach ihrer Zeit. Halte die Skripte einfach, mit wenigen Personen, und nutze einen Teleprompter, wenn jemand Text spricht.

3. Fragen aus der Community beantworten

Sammle echte Fragen aus Kommentaren, aus dem Kundenservice und aus dem Vertrieb. Jede Frage ist ein mögliches Video. Das Format wächst mit dem Kanal: Je mehr Leute kommentieren, desto mehr Themen hast du.

4. Mythen auflösen

Jede Kategorie hat ihre Vorurteile. „Versicherungen zahlen nie.“ „Das Produkt ist nur was für Profis.“ Einen verbreiteten Irrtum aufgreifen und sauber auflösen ist kurz, hat eine eingebaute Spannung und informiert zugleich. Gerade hier lohnt sich ein abgestimmter Aussagenkorridor, damit die Auflösung schnell durch die Freigabe kommt.

5. Den Prozess sichtbar machen

Wie entsteht etwas, wie kommt es zum Kunden, was passiert hinter der Tür, die sonst niemand öffnet? Abläufe, die von außen niemand kennt, sind für Vertical Video oft stärker als das Endprodukt.

Formate statt Einzelvideos

Kreativität auf Social Media heißt nicht, jede Woche eine neue Idee zu haben. Sie zeigt sich in Formaten: wiederkehrenden Serien mit erkennbarem Aufbau, die das Publikum nach ein paar Folgen erwartet.

Unsere Faustregeln:

  • Mindestens zwei Formate, die ihr mit fester Frequenz bespielt.
  • Mindestens sechs Monate auf einer Plattform, bevor ihr bewertet.
  • Feste Drehtage statt einzelner Drehs. Ein Drehtag liefert Material für mehrere Wochen.
  • Material über Monate strecken: Lieber zehn Videos aus einem Drehtag über mehrere Monate verteilen als alles auf einmal posten.

Wie wir Drehtage und Produktion organisieren, liest du bei unserer Content-Produktion.

Ein Format wird erst nach mehreren Folgen erkennbar. Wer nach drei Videos abbricht, testet keine Idee, sondern nur Glück.

Kreativ und trotzdem freigabefähig

Bei sperrigen Produkten kommt oft eine strenge Freigabe dazu. Das ist kein Widerspruch zu guter Kreation, wenn ihr es von Anfang an einplant. Der Aussagenkorridor steckt den Rahmen ab, innerhalb dessen das Kreativteam frei arbeiten kann. Wie das genau geht, steht in unserem Leitfaden zum Freigabeprozess für Social Media.

Typische Fehler

  • Der Imagefilm im Hochformat: Ein umgeschnittener Unternehmensfilm wirkt wie Werbung, und die Leute wischen weiter.
  • Das Produkt im ersten Satz: Wer mit Features startet, verliert die Leute, bevor das Problem klar ist.
  • Übersetzte US-Trends: Deutsche Zielgruppen reagieren auf eigene Formate und eigene Tonalität.
  • Peinlich jung wirken wollen: Eine Marke muss nicht tanzen, um auf TikTok zu funktionieren. Substanz statt Stunts.

Häufige Fragen

Lohnt sich TikTok für ein B2B-Produkt?

Oft ja. TikTok verteilt nach Interesse, deshalb erreichst du auch mit einem neuen Kanal Leute außerhalb deiner bestehenden Kundschaft. Ob TikTok die richtige Plattform ist, hängt vom Ziel ab: Für Bekanntheit in einer neuen Zielgruppe passt TikTok, für Vertrauen und Kaufvorbereitung häufig YouTube.

Muss unsere Marke dafür lustig sein?

Nein. Klar, nützlich und nahbar reicht. Humor kann helfen, aber nur, wenn er zur Marke passt.

Wer soll in den Videos zu sehen sein?

Am besten echte Menschen aus dem Unternehmen. Wer nicht vor die Kamera will, kann Themen liefern. Als Ergänzung eignen sich Creators, die zur Marke passen.

Wie viele Videos brauchen wir?

Wichtiger als eine Zahl ist eine feste Frequenz über mindestens sechs Monate mit mindestens zwei Formaten. Die konkrete Menge planen wir nach Ziel und Budget.

Wie zeigt Pro & Me seine Kreativität?

Über Formate, die du dir in unseren Projekten ansehen kannst, und über Auszeichnungen. Bei den 9:16 Awards 2024 haben wir mit Gerolsteiner den 2. Platz (Bestes Community Management) und den 3. Platz (Beste Werbung) gewonnen. Beim 9:16 Award 2025 erhielt die Kampagne „7A für den Wald“, die wir mit Gerolsteiner umgesetzt haben, den 1. Platz in der Special Mention Nachhaltigkeit. Eine Kampagne, die wir mit freenet erarbeitet haben, stand 2023 auf der Shortlist der TikTok Ad Awards (Greatest Performance).

Über Pro & Me

Pro & Me ist eine Social-Media-Agentur aus Berlin und TikTok Premium Partner. Seit 2019 übersetzen wir erklärungsbedürftige Marken in Shortform Vertical Video, das Leute freiwillig schauen, für TikTok, Instagram, YouTube und LinkedIn. Mit uns arbeiten unter anderem DATEV, freenet, EDEKA Südwest, Doppelherz und die IU Internationale Hochschule.

Mehr dazu:

Nächster Schritt: Buch dir ein 45-Minuten-Erstgespräch und bring das Thema mit, das du für zu sperrig hältst. Wir zeigen dir, wie wir es erzählen würden.

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